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Das herrliche Herbstwetter und die fast schon sommerliche Temperaturen nutzten wir nochmals für eine Mountainbiketour. Für einmal ging es aber nicht auf unseren Haslital Herbstklassiker.

Nachdem wir in der Vorwoche den Hasliberg – teilweise mit der Unterstützung der Bergbahnen – intensiv befahren haben, entscheiden wir uns heute Morgen für harte Knochenarbeit und für die Fahrt zur Gummenalp hoch. Aber eben nicht die Gummenalp am Hasliberg, sondern die Gummenalp oberhalb von Brienz.

 

Historische Schweiz

Für die Gummenalp-Tour starten wir jeweils in Meiringen und nutzen die ersten 12km im flachen Talboden von Meiringen nach Brienzwiler zum Aufwärmen. So auch heute. Der ideale Startpunkt zu dieser Tour wäre jedoch beim Westeingang zum Freilichtmuseum Ballenberg. Im Openair Museum wurden verschiedene historische Gebäude aus allen Landesteilen der Schweiz wieder aufgebaut, nachdem man sie an ihrem ursprünglichen Ort abgebaut und nach Brienz transportiert hatte. Das Museum öffnete 1978 mit 16 Objekten seine Tore. Heute erstreckt es sich über 66ha und zeigt neben 109 historischen Gebäuden auch einheimische Bauernhoftiere, ursprüngliche Gärten und Felder sowie traditionelles Handwerk. Uns ist heute aber nicht nach Geschichte, sondern wir wollen höher hinaus und lassen das Freilichtmuseum links liegen.

Genfer Vigneron im Freilichtmuseum Ballenberg

 

Aufstieg mit Ausblick

Die Fahrt hoch zur Gummenalp hat es in sich, auch wenn sie über eine gut ausgebaute Alpstrasse führt. Auf den 10km zwischen Hofstetten und der Gummenalp sind rund 900 Höhenmeter zu überwinden. Kein Wunder also kommen wir auch heute wieder ein bisschen ins Schwitzen. Entschädigt werden wir für unsere Strapazen einmal mehr durch die herrlichen Ausblicke ins Haslital und über den Brienzersee hinweg, welche diese Tour zu bieten hat. Und wir waren offenbar nicht die einzigen, die heute nochmals die warmen Sonnenstrahlen genossen.

Mountainbike Tour zur Gummenalp - Blick auf Brienzwiler und ins Haslital

zwei liegende Kühe, im Hintergrund die Haslitaler Berge

 

Von Höhepunkt zu Höhepunkt

Der geografische Höhepunkt der Tour liegt beim Punkt 1530 auf der Stafelmad. Der landschaftliche Höhepunkt folgt sogleich beim Queren des Lammbachgrabens. Wasser und Erosion haben hier eine spetakuläre Landschaft geschaffen. Und würden da nicht Bäume aus den Steinfeldern ragen, könnte man sich auf dem Mond meinen. Heute plätschert das Bächlein leise vor sich hin. Der Blick in den eindrücklichen Lammbachgraben zeigt jedoch, dass es hier oben nicht immer nur idyllisch zu und her geht. Davon zeugen auch die beiden Geröllrutschungen, die den Weg an zwei Stellen blockieren und uns kurz zum Absteigen zwingen.

Panoramablick über den Lammbachgraben oberhalb Brienz

Wem nach der Querung des Lammbachgrabens das Herz noch nicht höher schlägt, dessen Pulsfrequenz wird sich bestimmt bei dem nun folgenden Mountanbike-Höhepunkt steigern. Der Downhilll durch den Treichi- und den Satzwald runter nach Schwanden ist einfach ein Genuss. Der Flow wird zwar ab und zu durch einige Spitzkehren und Absätze unterbrochen, aber diese schmälern den Spass nur geringfügig – zumal die Flow-Strecken dazwischen lange genug sind. Und nicht zuletzt auch deshalb, weil weiter unten mit dem Biketrail Schwanden-Brienz noch der Nachttisch wartet.

 

Biketrail Schwanden – Brienz

Wir haben heute (fast) ein bisschen zu lange die Aussicht und die warmen Sonnenstrahlen genossen. Als uns der Wald bei Schwanden ausspukt, hat sich die Sonne bereits hinter dem Brienzergrat versteckt. Also verlieren wir nun keine Zeit mehr und nehmen den von der IG Bergvelo erstellten und bestens in Schuss gehaltenen Biketrail Schwanden-Brienz in Angriff. Der Trail zieht sich auf 1200m Länge entlang des Lammbachs über Stock und Stein – und ein paar Sprünge, Hindernisse und Anliegerkurven – von Oberschwanden bis ins Kienholz (Brienz) hinunter. Wow, was für ein Ride. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht klatschen wir uns unten angekommen ab.

 

Der Kluge reist im Zuge

Inzwischen ist es doch ziemlich dunkel geworden – und auch merklich kühler. Es ist halt eben doch Spätherbst und nicht mehr Sommer. Kurzerhand entscheiden wir uns, die restliche Strecke nach Meiringen mit dem Zug zu absolvieren. Ein Blick auf die SBB-App verrät uns, dass der nächste Zug in gut 10 Minuten in Brienz abfährt. Also noch schnell zum Bahnhof fahren, Maske aufsetzen (Corona lässt grüssen) und ab geht die Post. Denn wie wir am Bahnhof erfahren, ist die Zugstrecke momentan unterbrochen und es verkehren nur Ersatzbusse ohne Velotransport. Aber hey, einmal freundlich beim Buschauffeur fragen und schon dürfen unsere Bikes mit in den Bus. Eine knappe Viertelstund später sind wir in Meiringen und lassen den Tag bei einem Bierchen und einer Pizza im Bahnhöfli ausklingen.

 

Infos zur Tour


Zur Gummenalp Tour starten wir mit unseren Mountainbikes jeweils in Meiringen und fahren durch das westlich gelegene Auengebiet „Funtenen“ bis Brienzwiler und weiter nach Hofstetten. Alternativ kann man die Tour in Hofstetten (Parkplatz Freilichtmuseum Ballenberg) oder Brienz (Bahnhof) starten. Ab Hofstetten geht’s der Alpstrasse in mehr oder weniger stetiger Steigung bis zur Gummenalp hoch. Vereinzelt gibt es zwischen den langgezogenen Rampen Waldwege, die man als Abkürzungen – mit einigen Tragepassagen – nutzen könnte. Auf der Strasse hochfahren ist jedoch angenehmer.

Auf der Gummenalp zweigt bei der Stafelmad/Punkt 1530 ein kleiner Waldweg links in den Lammbachgraben ab. Der Weg durch den Lammbachgraben ist teilweise ausgesetzt, aber gut fahrbar. Manchmal sind jedoch einzelne Stellen – gerade nach heftigen Sommergewittern – durch Geröll verschüttet, aber passierbar. Nach der Querung des Lammbachgrabens geht’s einem flowigen Singletrail (mit ein paar wenigen bockigen Stellen) entlang über 900 Höhenmeter runter nach Schwanden oberhalp von Brienz. Hier wartet noch das Dessert – der Biketrail Schwanden – Brienz, den man auf keinen Fall auslassen sollte. In Brienz lohnt sich ein Abstecher zum See, bevor es zurück an den Startpunkt geht.

Von Meiringen startend kommen bei der Tour 41 km zusammen und es sind knapp 1’200 Höhenmeter zu überwinden. Bei einem Start in Hofstetten oder Brienz spart man einige Kilometer Velofahrt im flachen Talboden. Bei einem gemütlichen Fahrstil ist man gute 4h unterwegs. Mit einer wohverdienten Pause auf der Gummenalp oder spätestens zurück am Brienzersee dauert’s natürlich entsprechend länger.

Die Tour ist im Frühling einer der ersten längeren Touren, die man in der Region fahren kann, da der Südhang rasch ausapert und abtrocknet. An heissen Sommertagen empfiehlt sich ein früher Start, da die Strecke nur teilweise durch den Wald führt und die Sonne an diesem Südhang ziemlich gnadenlos sein kann. Auf der Strecke hat es nur wenige Wassertröge, an denen man ‚tanken‘ könnte.


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