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…geht es bei der Frage, wie man sich am besten fürs Tourengehen kleidet und was Zwiebeln damit zu tun haben.

 

Was ist die ‘richtige’ Bekleidung beim Tourengehen?

Diese Frage in einer Facebookgruppe stand am Anfang dieses Beitrages. Viele Gruppenmitglieder beantworteten die Frage mit ihrem Lieblingshersteller bzw. ihren -produkten. Der Fragesteller kam so zwar zu einem umfassenden Marktüberblick über all die Hersteller, aber seine eigentliche Frage, worauf er zu achten hat, wurde nicht wirklich beantwortet.

eisige Kälte auf Svalbard

Bei -35° C darf’s ein bisschen mehr sein.

Wir haben uns deshalb mal etwas eingehender mit der Frage beschäftigt und hier die wichtigsten Punkte zusammengetragen, auf die es bei Funktionsbekleidung ankommt. Das Wichtigste bei der Bekleidung ist, dass sie dich nicht nur in der aktiven Phase beim Hochsteigen und Riden warm hält, sondern auch in jenen Zeiten, in denen du es etwas gemütlicher nimmst wie zum Beispiel bei einer Verschnaufspause oder der wohlverdienten Gipfelrast. Und das bei sich stets ändernden Wetterverhältnissen und Temperaturen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: die eierlegende milchgebende Wollmilchsau bzw das eine Bekleidungsstück, das allen Ansprüchen gerecht wird, gibt es nicht. Zu verschieden sind das persönliche Temperaturempfinden und zu unterschiedlich reagieren unsere Körper auf Belastungen. Wir alle kommen früher oder später ins Schwitzen, aber eben doch nicht in gleicher Weise. Trotzdem gibt es einen Lösungsansatz, der für die meisten von uns funktioniert.

 

Das Zwiebelprinzip

Viele von uns wenden es an oder haben zumindest davon gehört. Das Zwiebelprinzip bezeichnet das Zusammenstellen von mehreren Kleiderschichten übereinander. Ähnlich wie die einzelnen Schichten einer Zwiebel. Die mehreren Schichten erlauben es, die Bekleidung den wechselnden Temperaturen und Anforderungen anzupassen, so dass du nicht zu kalt hast oder zu stark ins Schwitzen kommst. Die Dicke und die Materialien der einzelnen Schichten varieren, aber sollten nicht gänzlich wahlos miteinander verwendet werden.

Bei sportlichen Aktivitäten geht man in der Regel von drei Lagen aus, wobei es nicht immer zwingend deren drei sein müssen und man gerade bei höheren Temperaturen auf die eine oder andere Schicht verzichten und bei Kälte eine weitere Schicht hinzufügen kann.

 

Basisschicht / Base Layer

Die Schicht, die im direkten Kontakt mit deiner Haut steht, ist die Basisschicht und besteht aus der Unterwäsche und Socken. Die Hauptaufgabe dieser auch Base Layer, Next-to-Skin oder Schweisstransportschicht genannten Schicht ist es, den Schweiss vom Körper wegzutransportieren und dich trocken zu halten. Bei der Base Layer werden sowohl synthetische Stoffe, natürliche Fasern oder Mischgewebe verwendet. Um ihre Wirkung voll zu entfalten, sollte die Base Layer enger am Körper anliegen.

Funktionsunterwäsche an Wäschleine, Foto: Ortovox/Hansi Heckmair

Foto: Ortovox / Hansi Heckmair

 

Isolationsschicht / Mid Layer

Die zweite Bekleidungsschicht dient einerseits der Isolation (Speicherung der Körperwärme) und transportiert den Schweiss von der Base Layer weiter an die nächste Schicht. Die Mid Layer muss deshalb ausreichend atmungsaktiv und gleichzeitig isolierend sein. Je nach Verhältnissen/Bedürfnissen kann diese Layer aus einer oder mehreren Schichten bestehen. Üblicherweise sind dies Fleece und Shirts aus Kunstfasern. Zur Isolation eignen sich auch Kleidungsstücke mit Wolle oder Daunen, wobei hier zu beachten ist, dass diese bei Nässe (sprich Schweiss) einen Teil der Isolationswirkung einbüssen. Synthetische Fasern haben gegenüber Naturmaterialien den Vorteil, dass sie auch im nassen Zustand besser isolieren und schneller trocknen.

drei verschiedene Mid Layers, Foto: Erme Catino

Foto: Erme Catino

 

Witterungsschutz / Shell Layer

Die äussere Bekleidungsschicht übernimmt den Wetterschutz (Wind, Regen und Schnee).Dies wird in der Regel durch hochtechische Materialien mit oder ohne Membran erreicht, welche wasserdicht, wasserabweisend oder winddicht sind. Die Shell Layer sollte auch atmungsaktiv sein. Diese Eigenschaften schliessen sich teilweise gegenseitig aus. Bei trockenen Verhältnissen ist so zum Beispiel eine winddichte Softshelljacke die bessere Wahl, da diese atmungsaktiver als Hardshelljacken sind.

Shell Layer - Schutz vor Schnee und Wind

Shell Layer – Schutz vor Schnee und Wind

Natürliche oder synthetische Materialien?

Bei der Wahl der Base Layer solltest du auf feuchtigkeitsregulierende Materialien achten. Bei der Mid Layer steht die Isolation im Vordergrund und die Shell Layer muss je nach Einsatz strapazierfähig sein und den Wetterbedingungen trotzen. Bei der Base Layer und der Mid Layer kommen je nach Einsatzbereich, Verhältnisse und persönliche Vorlieben synthetische Stoffe, Merinowolle oder Mischgewebe zum Einsatz. Bei der Shell Layer sind es meist synthetische Stoffe.

Synthetische Stoffe wie Polyester und Polyamid haben den Vorteil, dass sie den Feuchtigkeitstransport besonders gut managen. Durch die Verdunstung – sprich Weitertransport der Feuchtigkeit auf die nächste Schicht – wird auch eine gewisse Isolation erreicht und bewirkt, dass dir trotz feuchter Wäsche nicht kalt wird. Synthetische Stoffe wiegen meistens weniger, trocknen schneller und sind zum Teil elastischer und strapazierfähiger.  Spezielle Verarbeitungsverfahren und Materialzusammensetzungen erlauben es den Herstellern zudem, auf den Einsatzbereich abgestimmte Stoffe zu produzieren. Synthetische Stoffe eignen sich daher besonders gut für schweisstreibende Aktivitäten oder für Leute, die leicht ins Schwitzen kommen.

Natürliche Stoffe wie Merinowolle (und Merinomischgewebe) haben einen nicht unwesentlichen Vorteil gegenüber synthetischen Stoffen: sie müffeln weniger bzw. riechen weniger schnell. Gerade bei mehrtätigen Hüttentouren ist dieser Punkt nicht zu unterschätzen, wenn man seinen Rucksack nicht nur mit Ersatzwäsche vollstopfen will. Verantwortlich für den unangenehmen Geruch ist übrigens nicht der Schweiss selbst, sondern die Ausscheidungen der Bakterien, die sich im warm-feuchten Klima sehr wohl fühlen. Einige synthetische Produkte werden deshalb mit bakterienhemmenden Stoffen behandelt.

Aufgrund seiner natürlichen Eigenschaften vereint Wolle zwei sich üblicherweise widersprechenden Eigenschaften: sie kühlt bei warmen Temperaturen und isoliert bei Kälte. Merinowolle wird von vielen normaler Wolle vorgezogen, weil sie aus besonders feinen Fasern besteht und deshalb nicht auf der Haut kratzt und sich angenehm am Körper trägt. Merinowolle ist auch leichter als normale Wolle, aber nicht so leicht wie synthetische Materialien. Merinowolle wird in der Regel in verschiedenen Stärken (sog. Grammaturen) hergestellt. Dünne Stärken bis 170 g/m2 eignen sich gut für den Sommer, sind aber nicht so strapazierfähig. Mittlere Stärken bis 240 g/m2 eignen sich als wärmende Base Layer oder als Mid Layer im Herbst oder an kühleren Sommertagen. Stärken von 240 g/m2 und höher sind ideal als Mid Layer im Winter, da sie besonders warm sind.

Viele Hersteller verwenden heute Mischkombinationen, um die Vorteile der verschiedenen Materialien zu nutzen. So werden z.B. Elastahn-Anteile in Merino-Funktionsunterwäsche verwendet, um sie dehnbarer zu machen.

 

Merinowolle / natürliche Fasern:

+ geruchshemmend
+ ausgewogenes Körperklima
+ trägt sich angenehmen auf der Haut
– nimmt Feuchte leicht auf und – trocknet daher weniger schnell
– weniger strapazierfähig

Synthetische Materialien

+ guter Feuchtigkeitstransport
+ schnelltrocknend
+ bewahren Isolationsfähigkeit im nassen Zustand
+ leichter als (Merino-) Wolle
– Geruchsbildung

 

Was genau muss ich anziehen beim Tourengehen?

Wieviele Schichten und welche Dicken anzuziehen sind, hängt von den aktuellen Wetterbedingungen, vom persönlichen Temperaturempfinden und der Intensität der Aktivität ab. Grundsätzlich brauchst du fürs Tourengehen dieselbe Bekleidung wie du sie bei gleichen Bedingungen beim normalen Skifahren bzw. Snowboarden trägst.

Fürs Hochlaufen solltest du dich aber in der Regel etwas leichter kleiden, indem du zum Beispiel eine dünnere Isolationsschicht oder Base Layer wählst. Als Faustregel gilt: kleide dich so, dass du vor dem Loslaufen ganz leicht fröstelst – aber nicht zu lange rumstehen. Schwitzst du schon bevor’s losgeht, hast du zuviel an.

Sobald man sich bewegt, wird einem rasch wärmer. Nach 10 – 15 Minuten solltest du eine “Rüstpause” einlegen, um überschüssige Kleidungsstücke der Mid Layer abzulegen. Bei sonnigen und windstillen Verhältnissen kann es auch die Shell Layer sein.

Bei längeren Pausen oder für die Rast auf dem Berg solltest du eine zusätzliche Isolationsschicht (z.B. dünne Daunenjacke) im Rucksack mitnehmen. Nimm auch ein zusätzliches Shirt (Ersatzwäsche) mit, so dass du bei der Ankunft auf dem Gipfel das nasse Shirt auswechseln kannst.

Tourengeher/Splitboarder beim Hochlaufen über offene Schneefläche

Im freien Gelände am Berg weht oft ein kühler Wind. Wenn du also z.B. einen schützenden Wald verlässt, ziehe rechtzeitig eine Schicht mit Windschutz an. Den Windschutz solltest du deshalb nicht zuunterst in deinen Rucksack packen, sondern obenauf griffbereit halten. Kalter Wind und feuchte Kleidung führen rasch zu einer unangenehmen Abkühlung.

Vergiss deine Hände und deinen Kopf nicht. Über deinen Kopf, deine Füsse und Hände verliert dein Körper am meisten Wärme. Für Mützen, Kapuzen und Handschuhe und deren Materialien gilt, was wir weiter oben allgemein erwähnt haben. Beim Hochlaufen benötigst du eher dünnere Handschuhe, die aber fürs Runterfahren oft nicht ausreichen.

Sprung in die arktische See bei 1.5° C Wassertemperatur

Badehosen wirst du eher selten einpacken müssen – man weiss aber nie…

Was gibt es sonst noch zu beachten?

Base Layer

Körpernaher Schnitt: damit die Base Layer ihre Aufgabe meistern kann, sollte sie körpernah geschnitten sein.

Nähte: Achte darauf, dass Funktionsunterwäsche keine Nähte hat, die scheuern können. Das heisst sie sollten entweder aussen liegen oder sehr gut verarbeitet sein.

Druckstellen am Schienbein: 3/4-lange Unterhosen können bei Druckstellen im Ski-/Snowboardschuh helfen, da diese oberhalb des Schuhrandes enden und so mehr Bewegungsfreiheit im Schuhschaft entsteht bzw. sich keine Falten im Schuhschaft bilden.

 

Mid Layer

Wenn du deine Mid Layer Bekleidung als Aussenschicht verwendest (z.B. bei höheren Temperaturen) kann eine integrierte Kapuze hilfreich sein. Diese stört jedoch, wenn du die Mid Layer tatsächlich als Zwischenschicht trägst.

 

Shell Layer

Tourengeher wählen am besten Jacken, deren Seitentaschen leicht nach oben versetzt sind, so dass du – wenn du einen Rucksack trägst – diese auch bei geschlossenem Hüftgurt öffnen und benutzen kannst und sie nicht durch den Hüftgurt bedeckt sind.

Achte auf typische Scheuerstellen (z.B. Rucksacktragriemen auf Schulter) und Kleidungsstücke, die in diesen Bereichen durch Verstärkungen besonders strapazierfähig sind

In der Regel sind Softshell- atmungsaktiver als Hardshelljacken. Letztere halten aber Regen und Schnee besser ab.

Sowohl deine Jacke wie auch deine Hosen sollten Lüftungsreissverschlüsse aufweisen, die du bei Bedarf öffnen kannst. An den Hosen sind solche Lüftungsschlitze auf der Aussenseite wirksamer. Reissverschlüsse auf der Hoseninnenseite können zudem unangenehm scheuern.

 

Pflege

Tipps und Tricks zur Pflege deiner Winterbekleidung erklären wir dir in unserem Beitrag “Frag deine Mama – oder wie ich meine Winterkleider wasche”.

Waschanleitung - frag deine Mama

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